Wo ist der Mittelpunkt für Kinder und Jugendliche?:Ordinariatsrat Alexander Pfister zu Gast beim KED-Landeselternrat Bayern

Wer ist da, wenn das Kind uns braucht? Diese Frage stellte Ordinariatsrat Alexander Pfister, Leiter der Hauptabteilung Schule und Religionsunterricht im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, in den Mittelpunkt seines Vortrags beim Landeselternrat der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) Bayern am 9. Oktober 2026 im CPH Nürnberg. Er erzählte u.a. von einem Jungen, der jeden Morgen allein am Fahrradständer stand, und von einem Hausmeister, der ihn bemerkte. Landesvorsitzender Stephan Hager hatte ihn zum Thema „Kinder und Jugendliche heute – zwischen Chancen und Herausforderungen“ eingeladen.
Für den fast 90-minütigen Austausch aus Vortrag, Nachfragen und Diskussion, in dem Herr Pfister die Wirklichkeit von Kindern und Jugendlichen sehr konkret und ohne utopische Vorstellungen beschrieb, dankt die KED ihm herzlich und mit großem Respekt.
Pfisters These: Kinder brauchen nicht weniger Schutz, weniger Professionalität oder weniger Institutionen. Sie brauchen Institutionen, die dafür sorgen, dass hinter jedem Verfahren ein Mensch bleibt, der wahrnimmt, zuhört und Verantwortung übernimmt. „Schutzkonzept und Zuwendung gehören zusammen“, so Pfister. Die entscheidende Beziehungserfahrung lasse sich nicht als Programm verabreichen: Da ist jemand, der mich sieht, der mich hört, der bleibt.
Pfister verband empirische Befunde mit theologischer und philosophischer Reflexion. Er zog die Studien COPSY (UKE) und die 19. Shell-Jugendstudie heran, bezog sich auf Emmy Werners Langzeitstudie auf Hawaii, John Hattie, Aaron Antonovsky und Viktor Frankl, auf Hartmut Rosas Begriff der Resonanz und Roger Harts Partizipationsleiter. Theologisch und philosophisch stützte er sich auf Romano Guardini, Karl Rahner und Emmanuel Levinas und erinnerte an Janusz Korczak. Daraus entwickelte er seine Leitformel: Erst die Anrede, dann die Diagnose. Kirchliche Bildung könne dafür einen Grund und einen Maßstab anbieten, eine Anthropologie, die sagt: Du musst nicht erst etwas werden, um zu gelten.
Er sprach über Beteiligung und Teilhabe, also die Frage, ob Kinder nicht nur mitreden dürfen, sondern dazugehören. Weitere Themen waren die Verantwortung der Institutionen, gerade im Ganztag, und das, was Eltern zu Hause tun können: Zeit ohne Bildschirm, Zuhören ohne sofort zu lösen und wissen, wer neben ihnen noch für das Kind da ist. Elternvertretungen seien weder Kundschaft der Schule noch Beschwerdeausschuss, sondern Erziehungspartner.
Stephan Hager dankte Alexander Pfister herzlich und betonte: „Erziehung und Bildung sind eine auf dem Elternrecht und der Schulpflicht basierende Form der Sozialisation.“ Als Dankeschön überreichte er ihm den christlichen Kalender „Geschenkte Zeit 2027“.
Am Ende seines Vortrags gab Pfister den Anwesenden drei Fragen mit:
- Wer bemerkt in unseren Schulen, Gemeinden und Verbänden, wenn ein Kind allein am Fahrradständer steht?
- Was braucht ein Elternbeirat, damit er nicht nur nach Strukturen fragen kann, sondern auch nach Beziehungen?
- Und wo können wir Eltern Orte geben, an denen sie selbst gehört werden, bevor wir von ihnen erwarten, dass sie zuhören?
Sein letzter Gedanke: Kinder brauchen nicht zuerst Menschen, die alles wissen, sondern Menschen, die hinschauen und bleiben.
Eine Literaturübersicht zum Vortrag kann bei Herrn Pfister angefragt werden (Kontakt über das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg, Hauptabteilung IV).