Missio Canonica für 37 Grund- und Mittelschullehrkräfte:Erzbischof Gössl: „Sie sind Vorbild und Begleiter auf dem Glaubensweg der Kinder“

Bamberg. Religionslehrerinnen und -lehrer geben jungen Menschen Wurzeln, die ihnen Halt und Orientierung fürs Leben schenken. Mit diesem Bild würdigte Erzbischof Herwig Gössl im Bamberger Dom die Bedeutung des Religionsunterrichts an Grund- und Mittelschulen. Zugleich seien sie Vorbild und Begleiter auf dem Glaubensweg der Kinder und Jugendlichen. Im Rahmen eines Gottesdienstes im Dom verlieh der Erzbischof 37 Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern die Missio Canonica, die sie zur Erteilung des Religionsunterrichts an Schulen beauftragt.
„Mit starken Wurzeln Zukunft gestalten“ hatten die Referendarinnen und Referendare als Motto des Gottesdienstes ausgewählt. Auch ihre eigenen Wurzeln seien in ihrer zweijährigen Ausbildungszeit an der Schule gewachsen. Sie hätten Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewonnen und erfahren, dass Gott sie auf ihrem Weg begleite und ihnen Kraft gebe weiterzumachen, sagten sie zu Beginn der Feier.
Im Schulalltag könne der Religionsunterricht ein Ort sein, an dem Schülerinnen und Schüler innerlich wachsen. Dieses Wachstum entstehe nicht dadurch, dass ihnen alle Schwierigkeiten abgenommen würden. Vielmehr gelte es, ihnen immer wieder deutlich zu machen, wie ernst Gott jeden Menschen nehme, wie sehr er ihn liebe und ihm Umkehr ermögliche, sagte Erzbischof Gössl in seiner Predigt. Für ihn ist es problematisch, wenn Eltern nicht wünschen, dass ihre Kinder im Religionsunterricht mit dem Kreuz oder dem Kreuzweg konfrontiert werden, wenn gesagt wird, dass Kinder mit den Begriffen Schuld und Sünde nichts anfangen können und folglich auch nicht mit Umkehr, Buße und Beichte. Seine eigene Erfahrung als Religionslehrer sei anders: Schüler könnten sehr wohl Schuld und Versagen differenziert wahrnehmen, und sie könnten Mitleid mit zu Unrecht verfolgten Menschen empfinden, wofür das Kreuz stehe. Die Voraussetzung dafür sei jedoch eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und damit zu Gott. Diese wachse am besten durch ein gelebtes Vorbild, durch eine Beziehung zu Menschen, mit denen sie „mitglauben,-beten und -singen können“. Die zukünftigen Religionslehrkräfte würden als Zeugen der Liebe Gottes gesandt, einer Liebe, die großzügig sei und vergebe.
Welche Wurzeln können Religionslehrkräfte legen? Der Leiter der Hauptabteilung Schule und Religionsunterricht im Erzbischöflichen Ordinariat, Alexander Pfister, nannte in seiner Ansprach zur Missio-Verleihung zum einen „das Gesehenwerden“. Jedes Kind einer Klasse verdiene dies, das stille Kind in der letzten Bankreihe wie auch der Musterschüler. Die Würde und Wertschätzung der jungen Menschen, unabhängig von Leistung, Herkunft oder Note, seien ebenso wichtig wie ihnen Mut zum Aufstehen zu geben, „weil Fehler zum Leben gehören und Vergebung real ist“. Wer diese Werte im Herzen der Kinder verankere, schenke ihnen Urvertrauen. „Schauen Sie hin, wer am Rand steht und scheinbar „nichts geleistet“ hat, und schenken Sie Anerkennung nicht nur als Belohnung, sondern auch als Vorschuss“, appellierte er an die jungen Lehrkräfte. Und er ergänzte: „Seien Sie gewiss, dass Sie die Zukunft der Kinder nicht allein tragen müssen. Auch Sie sind getragen.“
Die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter richteten den Blick in der Eucharistiefeier nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern auch auf Menschen am Ende ihres Lebens. So kommt die Kollekte dem „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Franken zugute. Der Verein erfüllt sterbenskranken Menschen den Besuch an einem Ort, der ihnen viel bedeutet hat, etwa eine Fahrt ans Meer, den Besuch im Stadion ihres Lieblingsvereins oder im eigenen Garten.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten Frau Buckreus an der Orgel sowie Katrin Werner und Thomas Weiß übernommen.